KI für Veranstalter

Diese 4 Entwicklungen in punkto KI sollten Veranstalter kennen! [Gastbeitrag]

Der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) bezeichnete erstmals im Jahr 1965 die Idee, das menschliche Denken im weitesten Sinne zu automatisieren. Im allgemeinen Verständnis wird der Begriff der KI heute vor allem im Zusammenhang mit einer mechanischen Automatisierung verwendet.

 

Diese Anwendungen umfassen aber nur einen kleinen Teil der künstlichen Intelligenz und haben (noch) keinen sichtbaren Einfluss auf Konzeption, Organisation oder Durchführung von Kongressen. Dennoch wird KI bereits in naher Zukunft für bedeutende technologische Veränderungen in der MICE-Branche sorgen. Beschäftigen auch Sie sich als Veranstalter schon heute mit dieser Thematik.

 

Für den Kongress der Zukunft spielt mittelfristig die so genannte „schwache Künstliche Intelligenz“ eine besondere Rolle, geht es hier doch vor allem darum, konkrete Anwendungsfragen und -probleme des menschlichen Denkens zu meistern. Die KI hat also nicht die Aufgabe, ethische oder moralische Fragen zu lösen, sondern Denkprozesse zu simulieren, sie zu unterstützen oder auch selbstständig abwickeln zu können.

Das kann KI beim Kongress der Zukunft

Über die zukünftig geänderten Verhaltensweisen und Anforderungen von Kongressteilnehmern wurde schon viel gesprochen und geschrieben: Teilnehmer werden zunehmend technikaffiner. Die Anforderungen an die Individualisierung in Bezug auf Informationsvermittlung steigt, genau so die Ansprüche an die Vereinfachung von Prozessen. Proportional dazu steigt auch die User-Erfahrung bei der alltäglichen Nutzung von modernen Kommunikationsmitteln. In diesen Bereichen wird die KI in Zukunft den Ablauf von Kongressen nachhaltig verändern. Wir haben die wichtigsten 4 Bereiche für Veranstalter für Sie zusammengefasst.

Technologie 1: Musteranalyse und Mustererkennung

Registrierung, Zutrittskontrollen und Sicherheit sind für Veranstalter bereits heute Themen, die eine hohe Relevanz haben. Zur Durchführung dieser Prozesse kommen aber immer noch „alte“ Techniken zum Einsatz: Die Registrierung erfolgt „klassisch“ über (online) Formulare und die Zutrittskontrolle mittels QR-Codes oder vergleichbaren Techniken. Diese Vorgehensweise benötigt viele einzelne Schritte. Jeder davon kostet Zeit und Geld und birgt zudem ein (kleines) Sicherheitsrisiko. Was noch dazu kommt? Mit den erhobenen Daten kann leider in den wengisten Fällen weiter gearbeitet werden.

 

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Die Musteranalyse und Mustererkennung werden in naher Zukunft den gesamten Eventmanagementprozess – von der Anmeldung über die Registrierung bis hin zur Nachbearbeitung – deutlich vereinfachen und beschleunigen: Informationen werden nur einmal erhoben und sind dann als „Datenpaket“ jederzeit vollumfänglich verfügbar. Die Übertragung von Daten in Listen etc. gehört der Vergangenheit an. Gesichtserkennung sorgt hier für höhere Sicherheit und schnellere Prozessabläufe. Es sind alle erhobenen Informationen nicht nur jederzeit abrufbar sondern helfen zudem, die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden vollumfänglich abzudecken.

Technologie 2: Mustervorhersage

Die Mustervorhersage basiert auf der Musteranalyse und ermöglicht es zum Beispiel vorherzusagen, wo sich eine Person als nächstes aufhalten wird. Damit werden Bewegungsströme planbarer. Auch Platzressourcen und Zeitfenster können so optimal geplant und effizient genutzt werden.

 

Die Anwendungen sind vielfältig. Denken Sie beispielsweise an ein Parkleitsystem: Anhand der Fahrzeugbewegungen „weiß“ das System, wann wieviele Personen sich dem Eingang nähern – kurzfristig werden mehr Zutrittsstellen aktiviert und das Personal am Kaffee-Stand verstärkt, weil klar ist, dass hier gleich ein Ansturm herrschen wird. Diese Anwendungen können sich schon für eine einzelne, größere Veranstaltung lohnen. Voll ausgeschöpft werden die Vorteile aber im Verlaufe mehrerer Veranstaltungen. Denn hier erhebt die KI nicht nur aktuelle Daten, sondern gleicht Algorithmen immer mit historischen Daten ab und passt die Vorhersagen entsprechend an. So werden diese wiederum immer präziser.

Technologie 3: Data- und Text-Mining

Bei fast jeder Veranstaltung ist die Abgabe von Dokumentationen, Reden, Vorträgen etc. ein zeitaufwändiges und kompliziertes Thema. Data- bzw. Text-Mining wird diese Problematik in naher Zukunft lösen.

 

Unter Text-Mining versteht man die Zusammenstellung verschiedener Algorithmus-basierter linguistischer Analyseverfahren. Damit wird es möglich sein, aus Textdaten und Vorträgen automatisch die Kerninformationen schnell zu erkennen und zu extrahieren. In der Praxis bedeutet dies, dass von Vorträgen quasi in Echtzeit inhaltlich stringente Zusammenfassungen erhältlich sind. Der Teilnehmer erhält unmittelbar nach einem Vortrag eine fachlich korrekte und inhaltlich strukturierte Zusammenfassung des Vortrags als Textdatei auf sein Smartphone geschickt.

Technologie 4: Chat- und Cleverbots sowie Voice Search

Einfache Chatbots finden bereits heute in vielen Bereichen Anwendung und können in einigen Bereichen schon fast vollumfänglich die klassischen Informationsstände ablösen. Und das mit gravierenden Vorteilen für Sie als Veranstalter: Weniger Personalbedarf, mehr Informationsstände, weniger Wartezeiten, bessere Nutzererfahrung. Der humanoide Roboter „Pepper“ ist ein Anwendungsbeispiel.

 

Ein Cleverbot unterscheidet sich diesbezüglich vor allem durch die Tiefe der Datennutzung – bei einem Cleverbot steht quasi das ganze Web als Antwortbasis zur Verfügung. Das mag uns auf den ersten Blick noch alles wie Zukunftsmusik vorkommen. Doch wer sich bewusst wird, dass sich die Nutzung von Voice-Search in den letzten Jahren jeweils verdoppelt hat, der weiß, dass diese Technologie in den nächsten  Jahren zum Nutzer-Alltag gehören wird. Solche Technologien werden von Teilnehmern erwartet und genutzt werden.


Aufgepasst: KI als Chance oder Risiko?

Die möglichen Anwendungen künstlicher Intelligenz lassen bei vielen Menschen das Bild vom „gläsernen Kongressteilnehmer“ auftauchen und schüren Ängste. Gerade im Bereich Sicherheit von persönlichen Daten ist selbstredend größte Vorsicht angebracht. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Kongressteilnehmer der Zukunft immer stärker gewohnt sind, bewusst oder unbewusst, die Anwendungen künstlicher Intelligenz zu nutzen – Voice-Search nimmt aktuell schon in der privaten Nutzung stark zu. Und auch wenn die MICE-Branche nicht an vorderster Front steht mit der Anwendung dieser noch neuen Methoden, sowird sie sich diesen nicht verschließen können.

 

Künstliche Intelligenz wird zunehmend ein Teil unseres Arbeitsalltags werden – klug genutzt und durch gesunden Menschenverstand ergänzt, ergeben sich damit im Kongressbereich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Diese können eine nachhaltig positive Wirkung auf Teilnehmer und Organisatoren haben und mittelfristig einen ökonomischen Optimierungsfaktor in der gesamten Event- und Kongressbranche darstellen.

Thomas Wüthrich

Thomas Wüthrich

Für die weltweit tätige MCI Gruppe führt der Schweizer Thomas Wüthrich zusammen mit Andreas Laube die MCI-Niederlassungen in Berlin, München, Stuttgart und Düsseldorf. Nach seinen touristischen Ausbildungsjahren im Berner Oberland war Thomas Wüthrich bei der damaligen Swissair engagiert. Später wechselte er als Projektleiter Meetings & Events zu MCI Zürich und wurde 2008 zum Geschäftsführer der MCI Schweiz AG berufen. Seit Herbst 2016 lebt und arbeitet er in Berlin. Er diente lange in diversen internationalen Fachverbänden und unterstützte als Co-Autor mehrere Branchenpublikationen.
Thomas Wüthrich

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