Digitale Eventtechnologien

Digitale Eventtechnologien – diese Transformationen sollten Sie kennen [Gastbeitrag]

Kaum ein Tag vergeht, an dem Zeitungen und Nachrichten nicht über Digitalisierung, Industrie 4.0 (oder gar 5.0), digitale Transformation, das Internet der Dinge, Big Data oder Technologien Künstliche Intelligenz (KI) berichten und auch im „echten Leben“ führt kein Weg an diesen Themen vorbei. Roboter, die bei verschiedensten Aufgaben unterstützen, selbstfahrende Verkehrs- und Transportsysteme oder durch unsere Daten generierter Content in Internet, Apps und verschiedensten Medien gehören zu unserem Alltag. Die Digitalisierung ist in unserer Zeit angekommen – oder wir im Zeitalter der Digitalisierung.

Die Digitalisierung fordert eine kritische Auseinandersetzung

Die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Tools und Tech-Trends am Point of Experience führt zu zahlreichen Best-Practices. So werden mit großen und kleinen Budgets Virtual-, Augmented- oder Mixed-Reality-Anwendungen, Hololenses, 4-D, 5-D oder gar 9-D Anwendungen propagiert und umgesetzt. Währenddessen ermitteln im Hintergrund Algorithmen die Bedarfe der Zielgruppe, generieren personalisierte Inhalte und sammeln Informationen. Andererseits kann jedoch beobachtet werden, dass gerade der persönliche Kontakt, wirkliche Multisensualität und ein realer Dialog, Face-to-Face, in vielen Situationen unersetzbar sind.

 

Die digitale Transformation bringt Chancen und Risiken für die MICE Branche mit sich. Auch aus unserer Corporate Communication kann Sie nicht weggedacht werden. Eine kritische Auseinandersetzung ist deshalb unabdingbar.

 

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Digitale Transformation und Automatisierung

Die Digitalisierung ist Voraussetzung für und führt zu Automatisierung. Verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen sind sich einig und auch in der Praxis ist dies gut erkennbar. So ist eine der vorherrschenden Meinungen, dass langfristig eine Vielzahl von Arbeiten durch Computer, Roboter oder Maschinen verrichtet werden. Dies gilt insgesamt für alle Tätigkeiten. Außer diejenigen, bei denen Automatisierung zu kostspielig wäre, da die Verrichtung der Aufgabe durch Menschen günstiger ist. Hierunter können zum Beispiel handwerkliche Tätigkeiten fallen. Ferner gilt die Annahme der Automatisierung nicht für solche Aktivitäten, bei denen Tätigkeiten erbracht werden, die so individuell und einzigartig sind, dass sie zuvor noch nicht erbracht wurden und dementsprechend noch keine Automatisierung erfolgen konnte. Hierunter fallen unter anderem die individuelle Beratung am Messestand, das persönliche und auf den Kommunikationspartner abgestimmte Gespräch auf einer Konferenz oder das gemeinsame Lösen von Herausforderungen in Workshops und Tagungen.

Digitale Transformation und Big Data

Vorhandene Technologien sowie immer größer und umfangreicher werdende Datensätze ermöglichen den schnellen Zugang zu Informationen und Wissen. Dieses reicht von allgemeinen Informationen, über aktuelle News aus aller Welt bis hin zu spezifischen Daten über Kunden und Veranstaltungsbesucher. Während Herausforderungen einerseits durch den Umgang mit diesen Daten (z. B. Handling, Auswertung, Datenschutz, Infrastruktur) entstehen, bietet Big Data andererseits zahlreiche Chancen, die am Point of Experience eingesetzt werden können. Durch aktuelles Wissen können Kommunikationsinhalte so angepasst werden, dass tiefgehende Emotionen und lange anhaltende Erinnerungen entstehen. Vor allem betrifft das Wissen über unser Gegenüber, dessen Kaufverhalten, Vorlieben, Wünsche und Erwartungen. Best Practices zeigen hier zum Beispiel Automobilhersteller auf, die Kunden am Messestand analysieren und diesen dann zielgerichtet und treffsicher die Produkte und Leistungen präsentieren, die für diese Kunden von Relevanz sind.

 

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Digitale Transformation und Individualisierung

Big Data führt schließlich zur Möglichkeit der Individualisierung. Die große Herausforderung besteht jedoch darin, die richtigen Information zum richtigen Zeitpunkt in verwertbarer und verwendbarer Form vorliegen zu haben. Ein Beispiel hierfür kann in jedem Touchpoint zwischen Veranstalter und Gast gesehen werden. So ist es sicher nicht zeitgemäß, eine „personalisierte Einladung“ mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ einzuleiten oder mehrsprachige Schreiben zu versenden. Im digitalen Zeitalter und mit den richtigen Daten müssen Kunden und Gäste persönlich angesprochen werden. In der richtigen Sprache und – falls möglich und sinnvoll – mit einer zielgruppenspezifischen Botschaft.

Digitale Transformation erweckt (individuelle) Erwartungen

Nicht nur, aber auch im Bereich der MICE-Branche entstehen sich kontinuierlich weiterentwickelnde Erwartungen auf Seiten von Kunden, Besuchern und Rezipienten. Diese beziehen sich unter anderem auf das Vorhandensein und die Verwendung von neuer digitaler Technologie oder die Qualität der Kommunikation und des Contents. Wenn zum Beispiel auf Konkurrenzveranstaltungen die neuste VR-Brille mit dem aktuellsten Content eingesetzt wurde, lohnt sich die Überlegung, inwiefern diese oder vergleichbare Technologie auch auf dem eigenen Event zur Verfügung stehen muss. Andererseits gilt es zu hinterfragen, welchen Mehrwert die Anwendung oder Technologie im Rahmen der eigenen Veranstaltungs- oder Kommunikationsstrategie mit sich bringen soll.

Implikationen für die MICE-Branche

Was bedeuten diese Überlegungen schließlich für Messen-, Kongresse und Events?

Live-Kommunikation und (gute) Veranstaltungen zeichnen sich hauptsächlich durch die Ansprache verschiedener Sinne (Multisensualität), die Face-to-Face Kommunikation im Dialog sowie eine hohe Emotionalisierung und daraus entstehende Erlebnisse aus. Diese können vor allem dann und dort entstehen, wo zielgerichtet und persönlich auf Gäste, Besucher und Zielgruppen eingegangen wird. Die Automatisierung standardisierter Vorgänge kann hierbei helfen und unterstützen, der entscheidende Kontakt muss jedoch weiterhin persönlich und Face-to-Face erfolgen.

 

Selbiges kann auch in Bezug auf Big Data konstatiert werden. So müssen die vorhandenen Daten dahingehend ausgewertet und zur Verfügung gestellt werden, dass eine bestmögliche Kommunikation im Rahmen der Veranstaltung erfolgen kann. Die vorhandenen Daten sollen die Kommunikation mit den Zielgruppen bestmöglich unterstützen.

 

Nur so und durch eine individuelle Kundenansprache können schließlich die höchst individuellen Erwartungen der Rezipienten erreicht werden. Eine passende Methode kann in diesem Zusammenhang im Kano-Modell bzw. der Kano-Methode zur Analyse von Kundenwünschen gesehen werden. Diese lässt sich auch auf Anforderungen der Besucher auf Veranstaltungen übertragen. So muss in diesem Zusammenhang hinterfragt werden, ob das Vorhandensein neuer Technologien, professioneller und hochwertiger Content oder die persönliche und individuelle Ansprache im jeweiligen Kontext eher als Basis-, Leistungs- oder Begeisterungsmerkmal verstanden werden muss.


Wie sollen digitale Technologien auf Veranstaltungen eingesetzt werden?

Insgesamt muss hinterfragt werden, ob, wie und mit welcher Zielsetzung neue und digitale Technologien auf der jeweiligen Veranstaltung und in Zusammenhang mit den entsprechenden Kommunikationszielen eingesetzt werden sollen, können oder müssen. Hierzu zwei abschließende Impulse:

 

  • Digitalisierung und die damit einhergehenden Technologien bieten zahlreiche Möglichkeiten. Sie können bei der Erklärung von Produkten und Leistungen unterstützen, Emotionen schaffen, die Kommunikation verändern, Zielgruppen analysieren und vieles mehr. Die grundlegende Frage für den Einsatz der Technologie sollte hierbei jedoch immer lauten: „Welche Aufgabenstellung liegt vor und mit welcher Technologie kann diese gelöst werden?“ VR, Chatbots, Event Apps oder jede andere Technologie einzusetzen, nur weil es gerade hipp ist oder gefällt, ist meist wenig zielführend.
  • Auch auf Kundenseite sind die Möglichkeiten der neuen und digitalen Technologien bekannt. Im Worst Case vom Messestand oder der Veranstaltung der Wettbewerber. Kunden und Zielgruppen wissen „was geht“ und was State of the Art ist. Wenn dies nicht erfüllt wird, kann der Einsatz entsprechender Technologien schnell nach hinten losgehen. Dementsprechend und zusammenfassend gilt: Wenn, dann richtig!

 

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Patrick Haag

Patrick Haag

Als selbstständiger Berater betreut Patrick Haag mit HAAG INTERNATIONAL EVENTS Unternehmen verschiedener Branchen zu deren Messe-, Event- und Kommunikationsaktivitäten. Im Zentrum steht hierbei die Erarbeitung und Umsetzung von strategischen Veranstaltungs- und Kommunikationskonzepten. Er ist Referent und Dozent an verschiedenen Institutionen und Hochschulen (unter anderem an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg, der Hochschule Hannover oder der IST Hochschule für Management in Düsseldorf) und lehrt dort in den Bereichen Live-Kommunikation sowie Messe-, Kongress- und Eventmanagement. Zudem ist er Autor und Herausgeber zahlreicher Fachpublikationen.
Patrick Haag

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