Virtuelle Events

Clubhouse Hype: Sargnagel für die digitale Eventbranche?

Unter diesem – zugegeben provokanten – Titel haben wir letzten Freitag unseren ersten Clubhouse Talk gehostet. Unsere Motivation? Einfach mal machen und lernen. Denn die App kommt für ihre User·innen und Event-Liebhaber·innen genau zur richtigen Zeit: Wir alle sehnen uns nach Interaktion und Networking – nach zufälligen Begegnungen. In einem Jahr Home-Office, zwischen Videokonferenzen und Homeschooling, war dafür kaum Platz. Gleichzeitig fühlen sich ein Abend, ein Tag oder ein Wochenende in der App ein wenig so an, als wäre man auf einer Konferenz unterwegs. Auf der Bühne sitzen Expert·innen, die sich über relevante Themen austauschen und als Zuschauer·in bzw. Zuhörer·in sitzt man entspannt im Publikum. Hat man eine Frage, meldet man sich. In einem Raum werden die Marketing Trends 2021 diskutiert, im anderen präsentieren Gründer·innen ihre Leadership Tipps und im nächsten spricht man zum Verhältnis von Politik und Journalismus.

Genau das Live-Event-Feeling, nach dem alle hungern, oder? Haben wir als Branche mit unseren bisherigen Online-Events also etwas verpasst? Hätten nicht wir diejenigen sein müssen, die Interaktion auf diesem Level ermöglichen? Und was können wir von den Mechanismen der App lernen? Fragen, für die es sich lohnt, tiefer „ins Clubhouse“ einzusteigen. Unsere Erfahrungen und Einschätzung teilen wir hier mit Ihnen.
 

Wir sind ab sofort auf Clubhouse – folgen Sie uns gern.
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Eine Audio- und Apple-only App

Falls Sie sich noch keinen der begehrten Invites sichern konnten – ein kurzer Abriss zur Funktionsweise der App. Sie können sich Clubhouse vorstellen wie eine öffentliche Telefonkonferenz oder einen Podcast zum Mitmachen. Sobald Sie die App öffnen, sehen Sie auf Ihrer Startseite Events bzw. Räume, die von User·innen angelegt wurden, denen Sie folgen. Nach dem „Betreten“ eines Raums haben Sie zwei Optionen:

  1. Passiv bleiben und einfach zuhören
  2. Per Klick selbst die Hand heben und den Hosts signalisieren, dass Sie sich beteiligen möchten

Dabei laufen alle Konversationen auf der Tonspur ab. In den Räumen sehen Sie lediglich die Vornamen der User·innen sowie deren selbst gewählte Profilbilder. Ein cleverer Schachzug, denn Clubhouse bedient so zwei Trends: Audio und Live. Großes Getöse in einem Feed oder einer Timeline (sind wir davon nicht alle ein wenig genervt?) gehört hier der Vergangenheit an. Gleichzeitig entspricht Clubhouse der Sozialstruktur des realen (Pre-Corona-)Lebens: Kein Scrollen, sondern als Teilnehmende·r einfach sprechen, wenn man es möchte. Plus: Die Verbreitung der Inhalte erfolgt demokratisch. Sichtbarkeit bekommen nicht diejenigen, die die größte Anzahl an Followern vorweisen können, sondern ganz einfach diejenigen, die sich trauen. 

Ebenfalls ziemlich clever: künstliche Verknappung als Marketinginstrument. Clubhouse läuft nach wie vor nur auf Apple-Geräten und rein kommen Interessierte nur mit einem Invite. Die Ehre, weitere Teilnehmer·innen einzuladen, obliegt Nutzer·innen, die bereits Mitglieder sind. Sie haben die Möglichkeit, zwei weiteren Kontakten „Zutritt zu gewähren“.

Hype – oder etwas das bleibt? Seit Mitte Januar boomt Clubhouse in Deutschland.
Hype – oder etwas das bleibt? Seit Mitte Januar boomt Clubhouse in Deutschland.

Und? Was bringt es mir als Eventprofi?

Eine Frage, die Sie sich sicher stellen. Aktuell bringt es Ihnen vor allem eines: Austausch. Sowohl mit Gleichgesinnten als auch mit Ihrer Zielgruppe. Die Diskussionskultur auf Clubhouse haben wir bisher als sehr wertschätzend erlebt. Das Audio-only-Format setzt außerdem die Hemmschwelle zur Beteiligung herunter. Gleichzeitig hat es Charme, mit Menschen sprechen zu können, die man bisher nur aus Business-Netzwerken wie XING kannte.

Außerdem ist die Eventindustrie bereits zahlreich vertreten. Mit der Präsenz der Marketing-, Entertainment- und Start-up-Ökosysteme, die sich seit Tag eins auf der Plattform tummeln, können wir als Branche sicher nicht mithalten. Doch das müssen wir auch gar nicht. Im Gegenteil: Der fachlich fundierte Austausch im Kleinen – mit Kolleg·innen, Partner·innen, Eventmanager·innen, Locations, Dienstleistern etc. – ist teilweise wertvoller als ein 5.000 Gäste starkes, aber anonymes Panel. Und so kann Clubhouse auch sehr informativ sein. Fast jeden Tag finden kleinere Talks rund um die Umsetzung virtueller Events und die Zukunft der Live-Kommunikation statt. Und vielleicht haben Sie ja selbst Themen, die Sie diskutieren möchten? Dann starten Sie einfach Ihren eigenen Raum. Wie Ihnen das gelingt, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Unsere Tipps zum Start Ihres eigenen Clubhouse Rooms

1. Definieren Sie den Umfang

Wir haben uns bei unserem ersten Clubhouse-Event eine klare Zeitspanne gesetzt. Eine Stunde in der Mittagspause. Kommunizieren Sie das am besten zu Beginn der Runde, damit alle Beteiligten wissen, worauf sie sich einstellen müssen.

2. Zu viele Köche verderben …

Verdorben hat den Brei natürlich keine·r unserer Speaker·innen – im Gegenteil. Wir waren allerdings zu zwölft – ausreichend Zeit, all die wertvollen Gedanken loszuwerden, blieb also nur bedingt. Unser Tipp daher: Halten Sie die Runde lieber klein.

3. Blick ins Profil schlägt lange Vorstellung

Vorstellungsrunden kosten Zeit – wertvolle Zeit, die Sie lieber auf die Diskussion Ihres Themas oder Wortmeldungen aus dem Publikum verwenden sollten. Zuhörer·innen haben außerdem die Möglichkeit, sich jederzeit das Profil der Vortragenden anzusehen. Etabliert hat sich dafür, Position und Unternehmen anzugeben.

4. Am besten kuratiert und moderiert

Als Eventprofis kennen wir es: Ein guter Talk braucht eine gute Moderation. Auf Clubhouse hat der- oder diejenige gleichzeitig die Möglichkeit, Interessierte „auf die Bühne“ zu holen und ihnen das Wort zu geben. Wie auf realen Events gilt: Bleiben Sie beim Thema, moderieren Sie an und ab, behalten Sie die Zeit im Blick und schaffen Sie Zusammenhänge und Interaktion.

Potenziale und Hürden für die Eventbranche

Ja, die Funktionsweise der App hat Potenzial und ja, wir können als Branche sicher davon lernen – dazu waren wir uns auch in unserem Clubhouse Panel einig. Audio-only scheint Teilnehmende eher zu Wortmeldungen anzuregen, als Beteiligungen mit Videobild. Gleichzeitig zeigt Clubhouse, dass Interaktion – trotz aller Möglichkeiten – auf virtuellen Events bisher rar war. Ob nachgelagerte Q&A-Räume, Meet-the-Speaker-Sessions, AMAs (Ask me Anything), Fragestunden nach einer Pressekonferenz, Live-Podcasts vor, während oder nach einem Event, Behind the Scenes … All das ist in der App möglich. Allerdings lässt sich das genauso gut über andere Tools abbilden – hier gilt es, kreativ zu werden.

Eine Entwicklung, die Clubhouse außerdem befeuert: kostenlose Online-Events. Denn aktuell lassen sich die Talks und Panels nicht monetarisieren, eine Online-Registrierung ist bisher nicht integriert – Interessierte können nicht einmal innerhalb der App zu einem Event zusagen. Das langfristige Problem dabei? Die Bereitschaft der Zielgruppe, künftig wieder Geld für Events zu bezahlen, sinkt. Das führt natürlich auch dazu, dass KPIs, wie die Show-Rate, Leads, Kosten und Gewinn, nicht gemessen werden können.

XING Events Lesetipp: 10 kreative Ideen für Ihre ersten Online-Events 2021

Der kritische Blick auf Clubhouse

Wie bei so vielen Online-Projekten und Social-Media-Plattformen kommt es natürlich auch bei Clubhouse zu Problemen. Community-Guidelines gibt es zwar, eine durchgängige Moderation seitens der Betreiber bisher nicht. Das heißt, jede Person kann sich zu jedem (kontroversen) Thema weitestgehend ungefiltert äußern. Wie so viele Apps ist sie außerdem aktuell noch nicht EU-datenschutzkonform. Was das bedeutet, haben das Handelsblatt und t3n zusammengefasst. Und zu guter Letzt: Inklusion geht anders. Android-Nutzer·innen sind (zumindest aktuell) ausgeschlossen, gehörlose Menschen haben keine Möglichkeit, die Talks zu verfolgen und ein „freier Zutritt“ ist aufgrund des Invite-Prinzips weder möglich, noch gewollt. 

Fazit

Clubhouse als Sargnagel für die digitale Eventbranche? Definitiv nicht. Clubhouse als Inspirationsquelle? Unbedingt ja! Die Leichtgewichtigkeit, die Funktionsweise, die unkomplizierte Interaktion, der Community Aufbau rund um ein Thema – das können und sollten wir auch bei der Planung und Umsetzung digitaler Events berücksichtigen. 

#FOMO (Fear of Missing Out) allerdings hin oder her – sind Sie nicht auf Clubhouse, verpassen Sie sicher auch noch keine Business Opportunity. Es ist absolut okay, nicht auf jedem Event bzw. jeder Plattform zu tanzen. Wir werden die App sicher weiterhin nutzen, um Expert·innen aus der Branche zusammenzubringen und uns mit ihnen über aktuelle Themen und Trends auszutauschen. Zum Pflichtrepertoire von Eventplaner·innen gehört Clubhouse vorerst nicht. Und spätestens, wenn die Corona-Krise überstanden ist, zieht es uns bestimmt wieder mehr auf reale Events als in eine App.

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Bettina Knauer Content Marketing & PR Managerin, XING Events

Ihre ersten Schritte in der Kommunikation machte Bettina vor rund sieben Jahren - damals als Studentin der Politik und Soziologie. Marketing und Corporate Communications ließen sie nicht mehr los und führten sie zunächst für den Master nach Leipzig, bevor sie beruflich in München landete. Seit 2019 verbindet sie ihre Leidenschaft für gute Inhalte, Unternehmenspositionierung und digitale Kanäle bei XING Events, wo sie Content Marketing und PR verantwortet.

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