Virtuelle Events

Das Eventerlebnis der Zukunft: Neu, aber nie normal Gastbeitrag von Cedric Ebener | Geschäftsführer, CE+Co GmbH

„Neu, aber nie normal“ – das ist sowohl das Motto für diesen Beitrag als auch für die Eventbranche in den nächsten zwei oder drei Jahren.

Zu Beginn möchte ich betonen, dass ich mein Leben lang Live-Events konzipiert und organisiert habe und das bereits in der Schul- und Studienzeit. Das heißt, ich brenne dafür, Menschen live zusammenzubringen und Eventerlebnisse zu schaffen.

Wenn ich jetzt begeistert über Digitalevents spreche, bedeutet das nicht, dass ich glaube, jedes Live-Event wäre durch ein Digitalevent ersetzbar. Allerdings bin ich überzeugt davon, dass bei Online-Events noch so viel mehr möglich ist. Es lohnt sich also, sich heute und zukünftig noch genauer mit diesem Eventformat zu beschäftigen.

         

Remote Work bleibt

Während Remote Work zu Beginn gepaart war mit Homeschooling, schlechter Organisation und dem fehlenden Arbeitsplatz Zuhause, sind wir nun besser organisiert und viele von uns schätzen die Vorteile. Flexibles Arbeiten von Zuhause wird vor allem von den Mitarbeitenden gewünscht. Darauf reagieren bereits sowohl die Unternehmen als auch die Immobilienbranche. Hier entstehen darüber hinaus interessante Einsparmodelle, z. B. durch Office- oder Desk-Sharing.

Remote Events bleiben ebenso

Genauso wie uns Remote Work erhalten bleibt, werden auch Remote Events ein fester Bestandteil des Eventmixes bleiben. Dafür sprechen viele gute Gründe, unter anderem:

  • Der erzwungene Innovationsschub
  • Die positiven Erfahrungen
  • Die Budgetvorteile
  • Die Nachhaltigkeit
  • Die Generation Screen

Während viele von uns am Anfang frustriert vom permanenten Digitalerlebnis waren, konnten wir nach kurzer Zeit doch erstaunliche Erfahrungen machen. Selbst bei den aufwändigen Online-Events gab es gegenüber Live-Events Budgetvorteile. Und auch die Nachhaltigkeit von Events spielt gerade in diesen Zeiten eine große Rolle. Bisher konnten wir darauf – außer bei der nachhaltigen Gestaltung des Caterings und etwas Recycling – kaum achten. Nun können Zusammenkünfte von vielen Menschen digtal und damit wesentlich nachhaltiger gestaltet werden. Das Wichtigste ist jedoch die “Generation Screen”. Diese beendet gerade ihre Ausbildung und tritt ins Arbeitsleben ein. Jenen Menschen können wir kaum erzählen, warum sie andauernd für Produktvorstellungen, Konferenzen oder HR-Meetings durch Deutschland oder die Welt reisen müssen. Diese Generation ist mit dem Screen groß geworden, weiß mit diesem umzugehen und sie hat keine Hemmschwelle bei der Nutzung neuer Technologien.

Remote Events – so funktionieren sie

Schauen wir uns Remote Events an, da sehen wir vier verschiedene Stufen der Erlebnisgestaltung

  1. Livestreaming
  2. Storytelling
  3. UI Experience
  4. Gemeinschaftliche Events

1. Livestreaming

Bei den Livestreamings darf es vorproduzierten Inhalt, sowohl Audio als auch Video, geben. Wir beginnen beispielsweise gern mit einer Radioshow, während wir zeitgleich Networking-Gelegenheiten anbieten. Ganz ähnlich wie bei Live-Events, die ebenfalls oft mit dem Networking beginnen.

Studios, Greenscreens, LED-Screens und LED-Cave

Mittlerweile gibt es hervorragende Möglichkeiten, wie Digitalevents in unterschiedlichen Studios umgesetzt werden können. Dabei möchte ich kurz auf ein Beispiel eingehen. Vor einiger Zeit haben wir auf einem Panel einen von vier Rednern, die jeweils an einem Stehpult standen, einfach in das Gesamtbild hineinprojiziert – live aus Shanghai und ohne großen technischen Aufwand.

Außerdem möchte ich Sie auf ein wirklich mehr als atemberaubendes Digitalevent von Billie Eilish im Oktober 2020 aufmerksam machen. Zum einen war es technisch grandios umgesetzt und zum anderen mit 30 Dollar pro Ticket ein hervorragendes Beispiel für die Monetarisierung von Digitalevents. Hier wurden an einem Abend schätzungsweise 25 Millionen Dollar umgesetzt.

2. Storytelling – neue Konzepte für Digitalevents

Schauen wir uns einmal an, was bei Digitalevents möglich ist und früher bei klassischen Live-Events nicht umsetzbar war. Ein wunderbares Beispiel lieferte Tim Cook von Apple, als er den neuen HomePod vorstellte.

Die Kamera fährt um ihn und anschließend um den HomePod herum, hinter dem ein Zimmer erscheint. Das wird auf einmal lebensgroß und es tauchen Protagonisten auf, die den HomePod präsentieren. Als die Kamera wieder herauszoomt, sind die Zuschauer in einem Haus und sehen, wie der HomePod auch in anderen Zimmern funktioniert.

Ab Minute 3:00 beginnt die HomePod Präsentation

Hier hat Apple eine sehr smarte Kombination aus Green Screen, Kameratracking, LED-Screen, Live-Sets, vorproduzierten und live Inhalten ebenso wie interaktive Elemente genutzt. Mit diesem Beispiel möchte ich Sie ermutigen, ebenso innovativ an Event-Projekte heranzugehen.

Das funktioniert auch deutlich einfacher und mit weniger Budget. Das haben wir beispielsweise für ein Unternehmen bei der Präsentation ihrer Lösungen für Krankenhauseinrichtungen umgesetzt. Hier haben wir in einem Green Screen-Studio eine einfache Geschichte erzählt, die sowohl die Technologie als auch die Planungskompetenz für Krankenhäuser veranschaulicht. Während sich in dem Video zwei Protagonisten über die Anforderungen an eine Einrichtung unterhielten, wuchs um sie herum peu á peu und in 3D das fertige Krankenhauszimmer. Zum Schluss fanden sie sich in einem realen Zimmer mit realem Equipment wieder. Das heißt, in einem Video konnten wir solch eine Geschichte erzählen, was jedoch auf einem Live-Event so nicht möglich gewesen wäre. Da hätten wir zwischen den Protagonisten auf der Bühne und eingespielten Videobeiträgen switchen müssen. Solche Stories lassen sich auf Digitalevents mit der existierenden Technik viel einfacher und wirksamer umsetzen.

XING Events Tipp: Ein weiteres, sehr einfaches und zugleich wirkungsvolles Beispiel finden Sie in der Aufzeichnung des VExCon 2021 Vortrags von Cedric Ebener. Hier entlang.

3. UI-Experience statt Konzentration auf den Videostream

Bislang sind Digitalevents häufig wie gut gemachtes Fernsehen, da sie sich auf das Videobild, das in einer Event-Plattform oder Event-Website eingebettet ist, konzentrieren. Drumherum finden dann die Interaktionen der Teilnehmer·innen statt. Doch inzwischen gibt es ganz andere Methoden, mit denen Sie den kompletten Screen Ihrer Online-Teilnehmenden interaktiv gestalten können. Das beobachten wir seit wenigen Wochen oder Monaten in der Branche und der Trend zum komplett digitalen Eventerlebnis wird sich sicherlich weiter durchsetzen.

Kurzum: Digitale Events sind mehr als ein schlaues Videokonzept. Sie müssen uns mit dem ganzen Screen in ihren Bann ziehen.

4. Digitalevents – ein gemeinschaftliches Event

Auch Digitalevents können ein gemeinschaftliches Event sein. Ein räumliches Erlebnis ermöglicht z. B. die Event-Plattform meetyoo, die auch XING Events für die VExCon nutzt. Noch spannender wird es, wenn wir uns das Konzert von Rapper Travis Scott in Fortnite mit mehr als einer Million Zuschauern ansehen. In diesem Videogame-Umfeld sind ganz andere Arten von gemeinsamen Aktivitäten möglich:

Daran hat sich auch BMW mit dem Projekt “Joytopia” orientiert, das zur IAA veröffentlicht wurde. Hier sehen wir schöne 3D-Welten, die auch ich einmal explorativ mit meinem eigenen Avatar erobern durfte.

Noch gemeinschaftlicher als die eben genannten Beispiele ist die virtuelle, frei erfundene 3D-Welt von Roland Berger, die wir umsetzen durften. Hier wurden die Teilnehmenden mithilfe kleiner Punkte dargestellt und konnten sich so auf der Plattform umsehen und mit anderen Teilnehmer·innen in Echtzeit austauschen. Diese 3D-Welt hat enormes Presseecho verursacht und zeigt uns, dass nicht nur wir an diese Form von Digitalevent glauben, sondern dass es Potenzial für die Zukunft hat. Darüber hinaus glauben wir, dass in zwei, drei Jahren solche Plattformen die bisherigen Websites verdrängen werden und neben reinem Inhalt echte Begegnungsplattformen entstehen, die Erlebnisse und Interaktionen mit und unter den Website-Besucher·innen ermöglichen.

Ausblick auf Remote Work

Lassen Sie mich noch ein wenig auf einige Entwicklungen im Bereich Remote Work eingehen. Bedingt durch Covid-19 und Generation Screen sehen wir Veränderungen vor allem in folgenden Bereichen:
 

  • C-Level Meetings
  • Remote Onboarding
  • Remote Collaboration
  • Socializing und Networking

Auch C-Level Meetings lassen sich online zielgerichtet und effizient umsetzen. Wir sind gerade dabei, einen für Präsenzmeetings optimierten Raum auf die digitale Welt zu übertragen – mit zahlreichen Features und Strategien. Zum Beispiel einem 24/7 Support, einem virtuellen Check-In, einer visuellen Orientierung über eine Agenda und vielem mehr. Das tun wir, weil wir glauben, dass auch C-Level Meetings künftig remote durchgeführt und diese eben nicht in einem Zoom-Call erfolgreich sein werden.  

Ähnlich sieht es mit dem Thema Remote Onboarding aus. Wir wissen und glauben, dass das Home-Office bleiben wird und beschäftigen uns gerade intensiv mit Konzepten für das erfolgreiche Onboarding von neuen, remote arbeitenden, Kolleg·innen.

Ebenso wichtig ist das Thema Remote Collaboration. Digitale Moderationsboards wie miro, Mural oder Conceptboard werden mit Sicherheit auch immer mehr in Ihre Arbeitsumgebung Einzug gehalten haben und noch halten. Setzen Sie sich mit diesen Tools intensiv auseinander und probieren Sie auch einmal Videolösungen wie mmhmm und Prezi Video.

Ebenso sollten Sie sich mit neuen Technologien für Socializing und Networking auseinandersetzen. Hier möchte ich unbedingt Clubhouse, Discord, wonder, SaySom, Gather oder AltspaceVR nennen. Nutzen Sie diese Tools beispielsweise als Einstieg, auch für das interne Team.

XING Events Lesetipp: Interaktion auf Online-Events – das empfehlen die Expert·innen

Thesen zu Digitalevents und hybriden Konzepten

Lassen Sie mich außerdem noch einige Thesen rund um die Zukunft von digitalen und hybriden Events aufstellen. Zunächst mit Blick auf die Digitalevents:

  • Digitale Events können wertvolle und gemeinschaftliche Ereignisse sein.
  • Schlaues Konzept, statt volles Besteck. Man braucht nicht immer das volle Budget oder das umfangreiche Konzept. Es geht auch einfach.
  • Dazu benötigen wir Digitale Storyteller. Das sind Menschen, die über das Videobild hinausdenken.
  • Außerdem brauchen wir “Creative Technologists”. Diese müssen über neue Technologien tatsächlich kreativ nachdenken.
  • Fun follows Function. Auch in einem seriösen Business-Umfeld sollte spielerisch Interaktion möglich sein.
  • Content mag King sein, aber nur mit Storytelling und Involvement wird daraus ein Königreich.
  • Der Kreativwettbewerb in der digitalen Eventbranche beginnt erst jetzt.
  • Digitale Events ermöglichen neue Business-Modelle.
  • Unsere Branche steht erst ganz am Anfang einer neuen Qualität und Relevanz.
  • Virtuelle Begegnungsräume sind die neuen Event-Locations. Davon wird es immer mehr geben.
  • Die Frage dabei ist nicht ob, sondern WELCHE eigene Plattform ein Unternehmen braucht.

Hier noch einige Thesen zu den hybriden Events:

  • Hybrid ist kein Format, sondern ein Bedarf. D.h. ich als Unternehmen oder Veranstalter·in möchte sowohl Personen vor Ort haben als auch die Teilnehmer·innen online weltweit erreichen.
  • Hybrid ist erst, wenn das Publikum live vor Ort, remote als Team und allein am Bildschirm Gleichwertiges erlebt. Das muss jedoch nicht das Gleiche sein.
  • Hybrid ist nicht immer gleichzeitig. Es gibt schon heute Messen in Deutschland, die sowohl live als auch online stattfinden – jedoch an verschiedenen Tagen.
  • Hybrid ist live, digital, Tagesschau, Hollywood, Gamification und vieles mehr. Es bedarf komplexer Netzwerke aus Partnern und Dienstleistern, um solche Projekte umsetzen zu können.
  • Don’t forget the second screen. Der ist zwar ein wenig in Vergessenheit geraten, wird jedoch sehr stark zurückkommen – sowohl für Live-Events als auch für Digital- und Hybrid-Events. Fast alle von uns haben ständig einen zweiten Screen in der Hand. Nutzen Sie das für Ihre Events und fangen Sie Ihr Publikum auch dort ein.

Die Zukunft von Branchenevents wie Messen und Konferenzen

Blicken wir in die Zukunft, so glaube ich, wird es künftig keine Fachkonferenz mehr geben, die nicht auch ein digitales Angebot hat. Stimmt bei diesem Online-Part der Content, dürfen Veranstalter·innen dafür auch Geld verlangen.

Bei Messen würde ich gern zwischen denen mit haptischen Produkten und denen, die eher über etwas informieren und es vor Ort nicht präsentieren, unterscheiden. Damit es konkret wird, fallen in die Kategorie der Messen mit anfassbaren Produkten zum Beispiel die IAA, die Hannover Messe oder die NUFAM. Diese Messen werden natürlich zurückkommen. Brauchen sie ein unfassbar besseres digitales Pendant? Ja natürlich! Vor allem für das internationale Publikum. Hier liegt eine enorme Chance für diese Messen und deren Veranstalter·innen, vor allem wenn es um die Vernetzung der Online-Besucher·innen mit den Aussteller·innen geht.

Mit Blick auf Messen, bei denen die Produkte oder Services vor Ort nicht gezeigt werden, wie auf einer ITB, glaube ich, dass diese künftig vor allem vor Ort noch mehr auf Entertainment und Erlebnisse setzen werden.

Wir werden im Digitalen einen extremen Boom erleben – entweder als Ersatz-Event oder als Begleitformat.

XING Events Lesetipp: Neue Perspektiven für die Veranstaltungswelt der Zukunft

Fazit

Digitalevents werden ebenso wie Remote Work bleiben. Dabei stehen wir bei der Gestaltung und Umsetzung dieser Events noch ziemlich am Anfang. Damit es uns gelingt, wirklich neuartige und fesselnde Formate auch für die Online-Teilnehmenden zu kreieren, brauchen wir unter anderem “Creative Technologists”, die eine sich permanent weiterentwickelnde Event-IT verstehen und kreativ miteinander verbinden können. Denn das Gute ist, dass die meiste Technologie schon da ist. Wir müssen sie nur noch nutzen.

XING Events Lesetipp: Weitere Zukunftsvisionen einer digitalen, hybriden und flexiblen Eventwelt teilt Colja Dams in diesem Gastbeitrag mit Ihnen.

XING Events Tipp: Wenn Sie Lust auf weitere Insights und Einblicke in die Praxis von Cedric Ebener haben, dann schauen Sie sich unbedingt seinen Vortrag auf der VExCon 2021 an!

Cedric Ebener Geschäftsführer, CE+Co GmbH

Cedric Ebener studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK in Berlin und Architektur an der HfbK in Hamburg. Beides mit dem Ziel, in der Disziplin "Kommunikation im Raum" Maßstäbe zu setzen. 2004 stieg er bei der Hamburger Agentur eventlabs ein, wo er den Aufstieg der Agentur zur Kreativagentur des Jahres 2005/2006 maßgeblich mitverantwortete. 2008 gründete Cedric Ebener CE+Co mit dem Anspruch, Erlebnisse zu kreieren, die bewegend, ungesehen und nachhaltig sind.

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