Virtuelle Events

Online-Events sind nicht einfach Events online Interview mit Dr. Tina Ruseva / CEO Mentessa & Gründerin des Big & Growing New Work Festivals

Bettina Knauer

Was tun, wenn Veranstaltungsverbote und -absagen das gesamte Geschäftsmodell durcheinanderwirbeln? Das haben wir mit Dr. Tina Ruseva besprochen. Sie ist Gründerin, gefragte Speakerin zu den Themen Innovation, Start-ups und Purpose, und Veranstalterin und damit quasi auf Events zuhause.

Mit dem Technologie-Start-Up Mentessa ermöglicht sie Mentoring & Wissensaustausch für Communities aller Art. Die App unterstützt dabei, Mitarbeiter in Großkonzernen, Vereinsmitglieder, oder die Alumni einer Hochschule gezielt miteinander zu matchen – automatisiert und on demand. Live-Networking und Events spielen hierfür – normalerweise – eine wesentliche Rolle. Gleichzeitig steht Tina als Veranstalterin hinter der Future of Work Konferenz „Big & Growing“, die im November zum zweiten Mal in München stattfinden soll.

Wie sie im Moment mit der Krise umgeht, wie man bei der Planung einer fünftägigen Konferenz – trotz der anhaltenden Ungewissheit – vorgehen kann und welche kreativen (Aus-)wege sie für ihr Business entwickelt hat, das erzählt sie uns und Ihnen im Interview. Lassen Sie sich inspirieren!

Dr. Tina Ruseva: Wie bei einem Offline-Event muss man als Veranstalter die Welt mit den Augen seines Publikums sehen und sich fragen ‚Warum würde jemand trotz alldem an meiner Veranstaltung teilnehmen?‘ Dann klappt es auch.

Hallo Tina, schön, dass Du Zeit für unser Interview gefunden hast. Starten wir mit einer kurzen Vorstellung: Wer bist du und was treibt dich an?

Hallo! Ich bin zweifache Mutter, die ihre Kinder gerne von der KiTa abholt und sich gleichzeitig beruflich entfalten möchte. Da lag die Entscheidung für eine Selbständigkeit fast direkt nach dem Studium auf der Hand. Noch dazu: Ich habe Informatik und Kommunikationswissenschaft studiert. So ist es kein Wunder, dass ich immer versuche, gesellschaftliche Herausforderungen mit Technologie zu lösen – ob 2009 mit meinem ersten Start-up GymZap, mit dem wir Trainings für die vielen Berufstätigen oder Eltern ins Wohnzimmer gebracht haben, oder seit 2019 mit meinem Unternehmen Mentessa, mit dem wir die Arbeitswelt der Zukunft gestalten und zu mehr Austausch und Kollaboration befähigen. Wir glauben, im Büro geht mehr – mehr miteinander, mehr interdisziplinär, mehr Diversity. Im Zuge dessen haben wir festgestellt, dass dies nicht nur an der Technik liegt, sondern vielmehr einen Kulturwandel erfordert. Deswegen haben wir letztes Jahr, mit XING als Hauptpartner, Big & Growing als Think Tank gestartet.

Austausch und Mentoring sind zentrale Bestandteile Deines Start-Ups Mentessa. Welche Bedeutung haben sie in der Krise? Und wie habt ihr als Unternehmen, aber auch als Veranstalter, auf die aktuelle Situation reagiert?

Ich sehe Corona als ein Modell der Arbeitswelt der Zukunft – volatil, unsicher, komplex, und vor allem ambivalent. Wir sprechen bereits seit Jahren von der VUKA-Welt, die uns mit dem Internet, dem iPhone und letztendlich durch den immer schnelleren technologischen Fortschritt persönlich als Menschen und geschäftlich als Organisationen herausfordert. Auf einmal war die Sperrung da und wir konnten es ausprobieren – mit Risiken und Nebenwirkungen.

Volatil, weil die Zunahme der Neuinfektionen an einem seidenen Faden von unserer kollektiven Verantwortung abhing und zeitweise exponentiell gewachsen ist. Unsicher, weil wir als Gemeinschaft zum ersten Mal in dieser Situation waren und keiner so richtig wusste, wann und wie wir den Virus in den Griff bekommen. Komplex, weil es um nichts weniger als die ganze Welt ging. Ambivalent, weil Home Office für die einen Einsamkeit bedeutet hat, für die anderen 24 Stunden mit Kindern, Familie und Home Schooling.

Die letzten 10 Wochen haben Büroangestellte aus ganz Deutschland zu Hause verbracht – ohne Kaffeeklatsch, ohne Flurfunk, ohne Gesellschaft. Das hat für viele Fragen und Aufregung gesorgt und das Thema Remote Work nochmal stärker ins Rampenlicht gerückt. Auf einmal wurde der Mehrwert von Communities und dem was sie ausmacht für jeden deutlich – informeller Austausch, die Möglichkeit sich einzubringen und im Gegenzug Hilfe zu bekommen.

Gleichzeitig haben wir auf einmal die Empathie für diejenigen gefunden, für die Isolation Daily Business ist – junge Eltern, oft Frauen, Kranke und Bedürftige, Minderheiten und einfach jeden, für den Community scheitert. Wir von Mentessa haben hierfür einen Matchmaking-Service für Münchner gestartet, um Menschen zueinander zu brinngen. Für alle anderen gibt es seit März wöchentliche Live AMAs zu den Themen Managing Culture in Remote Work – auch auf XING.

Für mich als Mutter war es gleichzeitig anstrengend, mit der ganzen Familie zu Hause und inklusive unserer neuen Verpflichtungen weiterzumachen, anderseits war es toll, endlich mal an Events teilnehmen zu können – ohne Babysitter, ohne Orga-, Anreise- und Höflichkeitszeit.

Wie ist Deine Erfahrung und Einschätzung: Kommunikation und Networking, kann das rein digital funktionieren?

Ja, natürlich, aber so einfach ist es nicht. Veranstaltungen haben unterschiedliche Zielsetzungen – bei Big & Growing bringen wir Menschen für Austausch zusammen, auf Messen sucht man nach Kunden, bei manchen Trainings steht der Wissenserwerb im Vordergrund. Bei allen drei Formen gilt jedoch – Online-Events sind nicht Events online – aus vielen Gründen!

In der Kommunikationstheorie hat Marshal McLuhan festgemacht: ‚Das Medium ist die Nachricht.‘ Wie und wo wir Inhalte präsentieren hat eine enorme Wirkung auf die Fähigkeit des Empfängers, diese zu verstehen und zu akzeptieren. Noch dazu gilt im Netz das ‚The winner takes it all‘-Prinzip: Wenn auf einmal Inhalte von der DLD, re:publica, und den größten Verlagshäusern in Deutschland kostenfrei und nur einen Klick von uns entfernt sind, dann haben wir erst recht weniger Zeit, um an Meetups ‚einfach so‘ teilzunehmen – der Wissenserwerb rutscht im Hintergrund und wir sind erst recht auf Vernetzung. Denn in einer Welt, in der alles auf einmal in Überfluss vorhanden ist, ist authentische Verbindung zu anderen Menschen ein knappes Gut geworden. Das geht zwar mit digitalen Tools, aber es kostet Organisation, es braucht Know-how und es muss laufen – auch für die Zukunft. Denn Remote Work ist hier, um zu bleiben.

Seit letztem Jahr organisierst Du Big & Growing, eine Konferenz, die an fünf Tagen mehr als 1.500 Besucher anzieht. Bis zum diesjährigen Termin sind es noch knapp sechs Monate. Wie plant ihr im Moment und wie wirkt sich die Unsicherheit auf die Eventorganisation aus?

Wir sind aktiviert und suchen nach Lösungen, das Event parallel zu den Live-Veranstaltungen auch für die Remote-Teilnahme zu ermöglichen. Bereits letztes Jahr hatten wir hierzu eine Nachfrage, aber der Aufwand wäre damals für die einigen wenigen Interessenten viel zu hoch gewesen.

Wir planen nach wie vor mit der Veranstaltung und haben fantastische Partner und Locations gewonnen, expandieren gleich in zwei Satellitenbühnen nach Berlin und Hamburg, und hoffen, dass wir alle bis dahin gesund sind und es wie im letzten Jahr genießen können. Ich bin aus drei Gründen optimistisch:

Zuallererst ist unser Festival dezentral by Design, sodass unsere größten Sessions auf maximal 100 Teilnehmer limitiert sind und somit aus dem Großveranstalterrisiken herausfallen. Darüber hinaus haben wir bis Ende November Zeit, uns auf die Situation vorzubereiten und von anderen Veranstaltern zu lernen. Nicht zuletzt wurde das Festival aus der Community ‚geboren‘ und wird dadurch bestärkt – gemeinsam schaffen wir es.

Viele Veranstalter haben Ihre Events in den letzten Wochen virtuell abgehalten. Wie siehst Du das? Und welche Tipps kannst Du anderen Veranstaltern mit auf den Weg geben?

Meine Topliste ist kurz: Handeln! Corona bleibt erstmal und die Impfung ist noch nicht abzusehen. Deswegen gehört dazu eine neue Strategie – die auch adaptiv Möglichkeiten für neue Überraschungen und Ideen Platz lässt.

Konkret bedeutet das, Experimente zu machen und Erfahrung zu sammeln - mit ganz neuen Tools (z. B. hopin) wie auch mit Formaten (1:1s, breakout sessions, etc.). Das digitale Matchmaking ist der wichtigste Aspekt für Online-Events und auch der schwierigste. Dazu haben wir von Mentessa Lösungen entwickelt, aber es gibt auch Tools aus den USA (z. B. mein Favorit Meetaway).

Unabhängig davon, mit welchen Tools man arbeitet: Diese stellen die ‚Eventbühne‘ und müssen proaktiv aufbereitet sein, mit Empathie für die Teilnehmer. Wie bei einem Offline-Event muss man als Veranstalter die Welt mit den Augen seines Publikums sehen – aus dem Home Office, im Remote Work Stress, vor der Hintergrundkulisse spielender Kinder oder digitaler Migräne – und sich fragen ‚Warum würde jemand trotz alldem an meiner Veranstaltung teilnehmen?‘ Dann klappt es auch.

Big & Growing widmet sich den Themen ‚neue Arbeitswelt‘ und ‚Purpose‘. Welchen Einfluss hat die aktuelle Situation Deiner Meinung nach darauf? Was wird sich in Zukunft verändern?

Genau diese Frage stellen wir uns auch. Jetzt wo wir die Berührungsängste mit Home Office abgebaut haben, bleibt uns Remote Work erstmal erhalten. Somit sind wir schon in der ‚neuen Arbeitswelt‘ angekommen. Die Frage ist, wie wir diese so gestalten, dass sie sich arbeiten lässt, leben lässt und feiern lässt. Deswegen haben wir ‚The future of work reloaded‘ als Thema für Big & Growing 2020 ausgewählt.

Tina, vielen Dank für das facettenreiche und spannende Interview!

Big & Growing als digitale Konferenz klingt spannend? Dann dürfte Sie unser Interview „re:publica im digitalen Exil – wie plant man eine Online-Konferenz?“ mit Direktorin Jeannine Koch ebenfalls interessieren. Weitere Informationen zu den Vorteilen und Herausforderungen bei virtuellen Events erhalten Sie unter anderem in unserem Artikel „Virtuelle Events – enormes Potential für Eventveranstalter.“

XING Events Tipp: Für Ihr Online-Event bieten wir Ihnen alles aus einer Hand – von der Registrierung, über die Vermarktung, bis hin zur Beratung.

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Bettina Knauer Content Marketing & PR Manager, XING Events

Ihre ersten Schritte in der Kommunikation machte Bettina vor rund sieben Jahren - damals als Studentin der Politik und Soziologie. Marketing und Corporate Communications ließen sie nicht mehr los und führten sie zunächst für den Master nach Leipzig, bevor sie beruflich in München landete. Seit 2019 verbindet sie ihre Leidenschaft für gute Inhalte, Unternehmenspositionierung und digitale Kanäle bei XING Events, wo sie Content Marketing und PR verantwortet.

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