Virtuelle Events

Was die Eventbranche von der Gaming-Industrie lernen kann

Für die Gaming-Industrie und die eSports-Branche ist es seit Jahrzehnten selbstverständlich, Technologie und Software zur Interaktion, Kommunikation und als digitale Austauschplattform zu nutzen. Als Avatare bewegen sich Spieler·innen ganz selbstverständlich durch virtuelle Welten, chatten und arbeiten in Multiplayer-Spielen in Teams zusammen. Gleichzeitig schafft es die Szene, ihre Community zu begeistern – sowohl auf Offline- und Online-Events als auch im Austausch 365 Tage im Jahr. Und auch technologische Weiterentwicklungen wie Virtual Reality werden schnell adaptiert. Sie sorgen mit High-End-Konsolen und leistungsfähiger Streaming-Technik für spektakuläre Live-Erlebnisse. Gemeinsames Spielen von jedem Punkt der Welt aus? Im Gaming-Segment mittlerweile ein Standard, der die Vielfalten auf ein neues Level hebt.

XING Events Lesetipp: Digitale eSports-Events – das kann die Eventbranche lernen

Vergleicht man die Technik und Interaktionsmöglichkeiten aus der Online-Gaming-Szene mit den doch teilweise holprigen Online-Events, dann fragt man sich natürlich, wieso die Eventbranche nicht schon seit Jahren auf Features und Plattformen aus der Gaming- und eSports-Industrie zurückgreift und deren Expertenwissen nutzt. Darüber und wie klassische Events mit Gaming-Elementen noch interaktiver werden können, haben wir mit jemandem gesprochen, der es wissen muss: Michael Baumgärtner, Head of Marketing bei der ad hoc gaming GmbH, die unter anderem eSports-Teams begleitet und in einem eigenen eSport Leistungszentrum betreut.
 

Anstatt nur zu versuchen, das Veranstaltungsprogramm irgendwie digital zugänglich zu machen, muss man sich dem Dialog mit der Zielgruppe stellen (wollen).
Michael BaumgärtnerLeiter der In-House-Marketing-Agentur der ad hoc Unternehmensgruppe & Marketingleiter der Tochterfirma ad hoc gaming GmbH

Hallo Michael, vielen Dank für Deine Zeit. Starten wir doch erst einmal mit einer kurzen Vorstellung: wer bist Du, woher kommst Du und in welchem Bereich bist Du beruflich unterwegs?

Mein Name ist Michael Baumgärtner, bin gebürtiger Leipziger und wohne noch immer in meiner Heimatstadt. Aktuell bin ich Leiter der In-House-Marketing-Agentur der ad hoc Unternehmensgruppe in Gera, Marketingleiter der Tochterfirma ad hoc gaming GmbH und des Weiteren Honorardozent an der Hochschule Mittweida für das Thema Games- und eSport-Marketing.

Kannst Du für die Gaming-Laien kurz erklären, was eSport ist und was Ihr bei ad hoc gaming genau macht?

Als eSport versteht man das kompetitive, also das wettbewerbsorientierte, Computerspielen. Bei der ad hoc gaming GmbH betreiben wir genau das, nämlich ein professionelles Team im weltweit meistgespielten Computerspiel League of Legends, welches in der höchsten Spielklasse der sogenannten Prime League, der höchsten League of Legends Liga in der DACH-Region, antritt.

Ihr bietet – soweit ich weiß – auch Beratung im Bereich Gaming und eSport an. Kamen in der Vergangenheit schon Veranstalter·innen auf Euch zu und haben Beratungsleistungen für deren Events angefragt? Wenn ja, wie konntet ihr helfen?

Diese Anfragen haben wir tatsächlich häufiger, vor allem auch, weil wir Mitglied des Verbandes Games & XR Mitteldeutschland sind, welcher ein Kompetenzzentrum für die Games-, XR- und eSport-Branche in unserer Region darstellt. Bei den Anfragen selbst ging es um vielfältige Themen rund um das Thema Gaming und eSport, aber vor allem um den Bereich der digitalen Content-Creation. Dabei decken wir die komplette Wertschöpfungskette der Beratung und Umsetzung ab, von der grundlegenden Idee bis zur zielgruppenspezifischen Realisierung.

Welches Potenzial haben Features, die man aus Computerspielen kennt, Deiner Meinung nach für die Veranstaltungsbranche?

Meiner Meinung nach können Veranstaltungen in der aktuellen Zeit auf vielfältige Weise digital stattfinden. Dabei gibt es verschiedene Formen der „Besucher·innen“-Interaktion, die man aus klassischen Rollenspielen kennt. Einen sehr guten Ansatz verfolgt dabei, ohne zu werben, das Unternehmen Super Crowd Entertainment GmbH aus Hamburg, die Macher·innen hinter dem Indie Arena Booth & der MAG in Erfurt, die zuerst ihr gamescom-Standkonzept digitalisiert und daraufhin eine gesamte Messeveranstaltung innerhalb ihrer eigenen Web-Applikation durchgeführt haben, samt aller bekannten Gamification-Inhalte, wie die Erstellung eines eigenen Avatars, Interaktionen zwischen den Nutzern, exklusive digitale Inhalte, etc.

Der Indie Arena Booth von Super Crowd Enternainment

Diese Experimente funktionieren aus meiner Sicht aktuell hervorragend, um überhaupt Veranstaltungen durchzuführen und stellen aktuell die Weichen, um die potenzielle Zielgruppe und Besucheranzahl in Post-Corona-Zeiten zu erweitern und lokale und regionale Events überregional oder sogar international zugänglich zu machen.

Digitale Interaktion ist in der Gaming-Szene gang und gäbe – Spieleentwickler sind darauf spezialisiert. Veranstalter·innen tun sich mit Blick auf Online-Events damit nach wie vor schwer. Was können sie Deiner Meinung nach tun, um die digitale Interaktion zu fördern? Was funktioniert in Deiner Branche besonders gut?

Der erste Schritt wäre überhaupt erst einmal über Interaktionsangebote nachzudenken. Aktuell gleichen die Online-Pendants großer erfolgreicher Veranstaltungen eher dem klassischen Frontalunterricht, da wird ein Livestream schon als Innovation bezeichnet, obwohl das alles Standardthemen sind, die in der Gaming-Szene seit mittlerweile über einem Jahrzehnt funktionieren. Anstatt also nur zu versuchen, das Veranstaltungsprogramm irgendwie digital zugänglich zu machen, muss man sich dem Dialog mit der Zielgruppe stellen (wollen). Hierfür gibt es bereits Lösungen, die einfach nur entsprechend genutzt werden müssen, egal ob das Livestreaming-Plattformen, Social Media Plattformen oder die bereits erwähnten Gamification-Ansätze sind.

Gamification ist in der Eventindustrie mittlerweile zu einem Buzzword avanciert und wird gerade auf virtuellen Events als Interaktionstreiber angepriesen. Viele Eventplaner·innen möchten Gamification in ihre Veranstaltungen einbauen – wissen allerdings oft nicht genau, womit sie anfangen sollen. Welche Spielkonzepte aus der Gaming-Szene könnten Deiner Meinung nach auch für die Eventindustrie gut funktionieren?

Alles, was exklusiv ist, funktioniert super. Digitale Collectibles (also digitale, sammel- und handelbare Güter, abgesichert durch die Blockchain), vielleicht sogar als NFT, um den Sammlerwert zu erhöhen, Charakterentwicklung und die entsprechende Kennzeichnung sind spannende Anreize, sogenannte Quests, die man ggf. sogar nur mit anderen Nutzer·innen gemeinsam erfüllen kann, fördern den Dialog und die Interaktion untereinander. Cosmetics und die damit verbundenen Mikrotransaktionen bieten zudem vollkommen neue Revenue-Streams. Sie könnten Besucher·innen die Möglichkeit geben, deren Eventerlebnis so zu gestalten, wie sie es gerne hätten.

Welche Online-Events-Erfahrungen hast Du im vergangenen Jahr gemacht? Welche virtuellen Events haben Dich besonders begeistert und warum?

Tatsächlich habe ich nur drei Online-Events in der Gaming-Branche aktiv mitgenommen. Das waren zum einen die gamescom und die DreamHack Leipzig und zum Anderen die MAG. Die ersten beiden, als große Veranstaltungsvertreterinnen, empfand ich als nicht gelungen. Besonders bei der gamescom hatte ich das Gefühl, dass allein die Brand Zuschauer gezogen hat, das Programm aber recht lieblos präsentiert und die Inhalte beliebig waren. Bei der DreamHack verfolgte man den Ansatz dezentraler LAN-Party-Hubs, welches kurz vor Eventstart aufgrund der Pandemie-Bestimmungen verworfen werden musste. Auch hier hätte man mit einem interaktiveren Livestream-Programm wesentlich mehr Punkte holen können. Überzeugt hat mich tatsächlich die MAG, welche durch ihren ganz eigenen und vor allem technisch sehr ausgereiften Applikations-Ansatz einfach Spaß gemacht hat.

Auch in der Gaming-Szene gibt es zahlreiche – teilweise große und spektakuläre – Events. Hast du für unsere Leser·innen Tipps, welche sie sich unbedingt einmal anschauen sollten, um vielleicht für Ihre Business-Events ein paar Anregungen mitzunehmen?

Alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, aber tatsächlich möchte ich die Leser·innen dazu animieren, die gamescom zu besuchen, die DreamHack in Leipzig, die Ur-DreamHack in Jönköping in Schweden, die MAG in Erfurt und die großen eSport-Events ESL One Cologne & Intel Extreme Masters (IEM) Katowice.

Danke Michael für Deine Zeit, die Einblicke und Tipps. 

Das Gespräch zeigt, dass Online-Events neu gedacht werden können und es vor allem in der Gaming-Industrie Features gibt, die Veranstalter·innen sich abschauen sollten. Die individuelle Gestaltung der Event-Plattform über In-Event-Käufe und Mikrotransaktionen, der persönliche Avatar, der auf einer virtuellen Messe Produkte kaufen und handeln kann, Quests – also Missionen – die es für eine Belohnung zu erfüllen gilt … Klingt wie Zukunftsmusik? Dann wagen Sie einen Blick in Richtung Videospiele und nutzen Sie die kreativsten Ideen für noch mehr Interaktion auf Ihren Online-Events. Weitere Ideen, wie Sie Ihre Teilnehmer·innen an die Bildschirme fesseln, haben wir Ihnen hier zusammengefasst: „Einsteigen statt Aussteigen – so fesseln Sie an Ihr Online-Event“.

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Bettina Strohm-Knauer Senior Content Marketing & PR Managerin, XING Events

Ihre ersten Schritte in der Kommunikation machte Bettina vor rund acht Jahren - damals als Studentin der Politik und Soziologie. Marketing und Corporate Communications ließen sie nicht mehr los und führten sie zunächst für den Master nach Leipzig, bevor sie beruflich in München landete. Seit 2019 verbindet sie ihre Leidenschaft für gute Inhalte, Unternehmenspositionierung und digitale Kanäle bei XING Events, wo sie Content Marketing und PR verantwortet.

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